Buchempfehlungen im November-Dezember 2011

"Man wird nicht dadurch erleuchtet, daß man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern dadurch, daß man sich das eigene Dunkel bewußt macht."

C. G. Jung

 

Wie bildet sich unser Schicksal? In den Vorstellungen der alten Zeit aus der nordischen Mythologie wurde das Schicksal gewebt durch die Nornen, drei Schicksalsgöttinen, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft repräsentieren. Fast immer wurden sie als Weberinnen dargestellt, und der Mensch bewegte sich in diesem Gespinst, war daran gebunden, verfing sich in seinen Fäden, und der Lebensfaden war endlich. Das lateinische destino (Schicksal) meint etwas gewebtes oder an Bändern befestigtes. Blind stolperte der Mensch durch die Maschen dieses Gewebes, und das nächste Bild entwickelte sich in logischer Konsequenz aus dem vorhergehenden heraus, und so webte sich der Bilderteppich des eigenen Lebens immer weiter.

Dem Protagonisten der nachfolgenden Geschichte jedoch geschieht etwas herausragendes: Er wird gezwungen zum Innehalten und zur Konfrontation mit dem, was ist, und stellt fest, daß die Geister der Vergangenheit und Gegenwart er selbst geschaffen hat und seine Zukunft sich nur logisch daraus schöpfen kann. Das macht ihn zum Schöpfer und Geschöpf zugleich seines eigenen Unglücks, und notgedrungen tut er eines: in Gewahrsamkeit und Offenheit betrachtet er die Dinge, wie sie nun sind, akzeptiert und nimmt an, da er keine andere Wahl mehr hat. Und plötzlich erfährt er etwas völlig Neues: die Gnade der Vergebung, das Heraustreten aus der Einsamkeit und eine Neuschöpfung seiner selbst.

Charles Dickens: "Eine Weihnachtsgeschichte"